Paul

Kinder haben wir.
Manchmal zu viele
und manchmal nicht genug...
Aber es sind immer drei.
;-)

Anfang März 2009
ereignete sich etwas,
das unser Leben komplett verändern sollte.
Nicht wie Kinder kriegen,
wo man sich hinterher fragt,
warum einen keiner gewarnt hat
aber man eine ungefähre Vorstellung hat
wohin die Reise so geht.

Als Paul fiel
schleuderte es uns in ein Niemandsland.
Auf Tuchfühlung mit einem Teil unserer Gesellschaft
den man im "normalen" Leben
niemals zu Gesicht bekommt.

Paul stürzte mit 13 Monaten
vom Balkon unserer Wohnung.
4 Meter tief
mit dem Kopf zuerst
auf Pflastersteine.

Wenn man den Zeitungsberichten glauben schenkte
waren die Kinder unbeaufsichtigt
und das Umfeld mindestens asozial.
Es gibt Eltern in KiGa und Schule
die grüßen bis heute nicht -
und sie tun mir leid.

An dieser Stelle habe ich gelernt,
der Berichterstattung in Presse, Funk und Fernsehen
keinen Glauben mehr zu schenken.
Über die Mitarbeiterin eines großen Fernsehsenders
die längere Zeit vor unserer Wohnung campierte
und meine Schwiegermutter belästigte,
die sich von da an die nächsten zehn Monate
um meine anderen Kinder kümmern sollte,
werde ich mich an dieser Stelle
auch nicht auslassen.

Fünf lange Wochen
haben wir um Pauls Leben gebangt
während er im sogenannten "künstlichen Koma" lag.
Die Vorstellungen, die man als
unbedarfter Mensch von dieser Situation hat
(im Allgemeinen durch Fernsehsendungen)
haben mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun.

Ehe wir uns versahen
spieh uns das Schicksal in Geesthacht aus,
in einer Neuroklinik für Kinder und Jugendliche,
wo wir die nächsten zehn Monate damit verbrachten
wieder leben zu lernen.
In der Zeit habe ich zwei grundlegende
Erkenntnisse gewonnen:
1) Überleben ist NICHT alles
2) Das Leben geht weiter -
und ich kann selbst entscheiden
ob es schön ist oder nicht.

Diagnosen hatten wir viele
und das in alle Richtungen.
Zwischen "hüpft bals wieder durch die Gegend"
und "kann nie wieder irgendwas"
war ungefähr alles dabei.

Tatsache ist:
Paul hat eine Hirnschädigung erlitten.
Er kann nicht laufen, sprechen oder selber essen.
Was er irgendwann können wird
kann man heute nicht sagen.
In Folge des Unfalls
leidet er unter Epilepsie.

Aber:
Paul ist ein waches und freundliches Kind
der jeden zum Lachen bringen kann.
Der ein so charmantes und einnehmendes Wesen hat
und uns gelehrt hat
wie wertvoll das Leben wirklich ist.

 Paul kann sich bewegen.
Paul erkennt.
Paul kann durch Laute und Mimik zeigen
ob er etwas oder jemanden mag oder nicht.
Paul atmet.
Paul kann schlucken.
Und er lacht.
Es gibt nichts schöneres als dieses Lachen.

Wenn man so lange wie wir
und jedes Jahr wieder
mit Menschen zusammen ist,
denen das nicht möglich ist,
mißt man den Unwichtigkeiten des Lebens
keine Bedeutung mehr zu.

Vielleicht möchte jemand mehr dazu wissen?
Vielleicht ist jemand betroffen
und sucht Hilfe oder möchte sich austauschen?
Schickt mir gerne eine Mail.

7ter Geburtstag <3 <3 <3



Kommentare:

  1. Liebe Mel,

    aufgrund nach ein paar schönen Häkelanleitungen bin ich irgendwie auf Deine Seite gestossen ( Sorry ich sag einfach Du ich bin die Michi )
    Mir tut es leid für Dich, das Euch so etwas schreckliches passiert ist, aber wie gesagt lebt Euer leben und egal was andere sagen oder tun, Ihr wisst selber was passiert ist und wie.
    Geniesst Euer Leben und die Zeit die Ihr miteinander verbringen könnt.

    Ich wünsche Euch allen von ganzem Herzen das allerbeste und hoffe das Dein Kind so Gesund wie nur Menschenmöglich wird und glaube mir: Es gibt kleine Wunder und für Euch wünsche ich mir von ganzem Herzen eines

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  2. Hallo Mel,

    erst mal muss man echt Schlucken bei eurer Geschichte, habe selbst eine kleine Tochter und weiss was eine Sekunde manchmal sein kann.
    Ich finde auf jedenfall das Ihr jetzt schon ein kleines Wunder seit und das Paul bei euch ist und eurer Liebe spürt ist glaube ich das einzig wichtige !!!
    Vorallem aber die Liebe und das Lächeln das Ihr zurück bekommt!!
    Man weiss nicht warum der eine Mensch mehr auferlegt bekommt wie der andere, aber jeder bekommt nur soviel wie er tragen kann...
    Egal ob Paul wieder ein völlig normales Leben führen wird oder nicht wichtig ist das Ihr glücklich seit und euch da nicht nehmen lasst !
    DIe Dummen sind die das nicht verstehen und nicht wissen was es heisst Eltern zu sein!!
    Und nur zu oft fragt man sich wenn man so manchen ansieht -ist der Normal ??? (-;
    Wünsche Euch alles erdenklich Gute und wen Gott will wird er für euch ein Wunder tun ich bete auf jedenfall dafür!!
    Alles Gute und das einzig Wichtige ist das Ihr euch habt ((:
    Lg christa

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  3. ♥ ♥ ♥ Ohne Wort, nur ganz einfach ein Händedruck! ♥ ♥ ♥ Du hast mich sehr bewegt, liebe Grüße, Ina ♥ ♥ ♥

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  4. Hallo Mel,
    ich finde die Art, wie du über euer Schicksal schreibst und dazu stehst, sehr bewundernswert. Glücklicherweise habe ich sowas selbst nicht erleben müssen und hoffe, dass es auch in Zukunft meinen beiden Söhnen weiterhin geht gehen wird. Ich habe aber täglich beruflich mit ähnlichen, vom Schicksal geschlagenen Menschen zu tun, da ich in der Ambulanz einer auf querschnittgelähmte Patienten spezialisierten Klinik arbeite. Es war Schicksal für mich, dass ich meine alte Arbeitsstelle verloren habe (nach fast 24 Jahre) und in dieser Klinik einen neuen Arbeitsplatz bekam. Ich habe großen Respekt vor den Betroffenen selbst als auch deren Angehörigen, wie sie ihr Leben meistern und versuchen, das Beste daraus zu machen bzw. es trotz und alledem zu genießen. Das hat mich Demut und Dankbarkeit gelernt, dass so manche Sachen, die für mich früher "Katastrophen" waren, doch eigentlich nur Kleinigkeiten sind, über die man sich nicht aufzuregen braucht.
    Ich wünsche dir und deiner Familie - vor allem deinem Paul - alles Liebe und weiterhin trotzdem Freude an den kleinen und vielleicht bzw. hoffentlich auch großen Dingen.

    Alles Liebe
    Claudia

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  5. Ich habe gerade deinen post gelesen + mir stehen die Tränen in den Augen, solche Dinge können in Sekunden geschehen und es ist schlimm, wie Aussenstehende sich Urteile über Schicksalsschläge anderer anmassen!

    Meine Bewunderung das ihr euch davon nicht beeinflussen lasst und ich denke eure Kind wird mit Liebe umsorgt!
    Ich wünsche euch viel Kraft und Paul alles Gute -
    Elma-
    Oma von 3 Enkeln , 2, 2,5 und 8,5 Jahren------ die weis wie man auf seine Sonnernsternchen achtet- und doch nicht immer alles verhindern was passiert-

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  6. Liebe Mel,
    das Leben ist oft schlecht und das Schicksal launenhaft..... das weiß ich sehr wohl!
    Aber dein Paul schaut so fröhlich in die Welt, das es eine Freude ist!
    Da ich selber einen behinderten Sohn habe, kenne ich auch die Ausgrenzung und Ablehnung, die einem oft begegnet. Aber diese Menschen sind es nicht wert, an sie auch nur einen Gedanken zu verschwenden!
    Wichtig ist, das dein Sohn lachen kann und ihr als Familie zusammenhaltet!
    Meine Begegnungen mit behinderten Kindern haben mir immer wieder gezeigt, wie viel Lebensfreude und Liebe in ihnen steckt und wie schön das Leben mit ihnen ist!!!!
    Was euch widerfahren ist, ist schrecklich und man würde am liebsten die Zeit zurückdrehen, aber eure Liebe wird es meistern!!!
    Liebe Grüße
    Trudi

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  7. Liebe Mel,
    zufällig bin ich auf Deinen Blog gestoßen und habe Deine Geschichte gelesen. Ich habe selbst eine behinderte Tochter und ich weiß, wovon Du sprichst. Ich wünsche Dir und Deiner Familie und vor allen Dingen Paul alles Liebe und Gute. Freut Euch an den kleinen Fortschritten, die Paul macht, freut Euch an jedem kleinen Lächeln. Daraus könnt Ihr die Kraft für den Alltag ziehen. Und gebt niemals auf! Bei jedem Besuch in der Schule meiner Tochter sehe ich wieviel Mut und Lebensfreude behinderte Kinder ausstrahlen können. Es ist überwältigend. Und auch Paul wird seinen Weg machen, es wird wohl kein einfacher sein, aber irgendwie wird er es mit eurer Hilfe schaffen.
    Liebe Grüße
    Petra aus Scharnebeck

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  8. Liebe Mel,
    dein Bericht berührt mich tief und das obwohl (oder vielleicht doch weil) ich auch eine behinderte Tochter habe. Sie hat einen Gendefekt (5p-Syndrom). Also bekamen wir sie nach der Geburt schon als kleine "Besonderheit" und konnten "reinwachsen". Ein gesundes Kind eintauschen zu müssen, stelle ich mir ungleich schwerer vor. Vieles, was ihr noch vor euch habt, konnten wir schon hinter uns lassen, denn Claudi ist schon "groß". Aber auch ihr werdet es gemeinsam schaffen, euer Paulkind groß zu bekommen. Man wächst an seinen Aufgaben.... Und unser tolles Hobby hilft uns dabei. Ich lese jedenfalls deinen Blog auch unabhängig von Paul sehr gerne und amüsiert. Dein Schreibstil ist toll, deine Scrapwerke natürlich auch. Und ich freue mich, dich beim Ostsee-Scrap livehaftig kennen zu lernen. Ganz liebe Grüße von Steffi

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  9. Liebe Mel, ich habe großen Respekt vor dem, was ihr leistet und auch großen Respekt vor Eurem Paul! Er ist wie er ist, ein besonderes Kind! Und so besonders wie Eure Familie ist im Umgang miteinander und das Füreinander, vor allem in schweren Zeiten - so besonders dumm sind die Menschen, die nur an sich denken und andere Mitmenschen mißachten. Und für Journalisten ist nur eines wichtig - die beste Storry um jeden Preis, auch wenn es kompletter Unsinn ist und nicht der Wahrheit entspricht. Ich kenne auch viele solche Menschen, aber ich denke immer, irgendwann bekommen sie auch ihre Strafe! Ich betreue meine kleinste Enkelin (2Jahre) und ich behüte sie ebenfalls und renne bei jedem bischen, damit ja nichts passiert. Leider kann man aber nicht immer alles vorhersehen. Unsere Nachbarn, die ebenfalls Kinder in dem Alter haben, meinen deshalb oftmals, ich solle auch mal loslassen....aber das kann ich nicht.
    Lasst Euch unbekannterweise gaaaanz dolle umärmeln und knuddeln, vor allem Paul, den ich gern Lauras Stern schenken würde (ist gerade Lieblingsfilm meiner kleinen Nelly).
    Von ganzem Herzen Euch alles Gute und viel Kraft, Rosi

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  10. Hallo Mel,
    ich bin durch Zufall, ich weiß gar nicht genau wie auf Deinen Blog gestoßen. Ich bin gerade total ergriffen von Paul und Eurer Geschichte. Ich finde Dich wahnsinnig Stark und ich ziehe meinen Hut, dass Du irgendwie versucht etwas positives daraus zu ziehen. Ich wünsche Dir und Deiner Familie ganz viel Stärke für jetzt und Eure Zukunft.

    Ich werde mir Deinen Blog noch genauer anschauen und hab ihn auch schon gespeichert, denn ich finde Du hast einen tollen Schreibstil.

    Viele Grüße Yvonne

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  11. Die Medien. Die Zeitungs"berichte". Ja. Unsere Familie haben sie mal in die andere Richtung verzerrt, als ich klein war, es war höchst wohlwollend, könnte man auf den ersten Blick meinen, aber wiedererkannt hat sich keiner von uns, nicht mal die Hunde. Im Grunde weiß man durchs Zeitunglesen vor allem, wie es jedenfalls schon mal nicht war. Richtige Journalisten gibt es durchaus, aber viele machen einfach nur die Beine breit und schmieren hin, was ihrer Meinung nach die Verkaufszahlen hochtreibt. Da fragt man sich doch, was die Leute, die das einfach unbesehen glauben und sich aufgrund dessen anderen Menschen gegenüber so blöd verhalten, für eine Entschuldigung haben, sie sind ja schließlich zumindest offiziell nicht auf den Kopf gefallen.
    Ich glaube nicht, dass dort draußen auch nur ein einziger Mensch herumläuft, auf der ganzen weiten Welt, der nicht bis zum ersten Geburtstag mindestens dreimal nur durch schieres Glück überlebt hat oder zumindest durch Nichtpech. Beschissener Mist, was ihr durchgestanden habt. Du schnodderst es so nüchtern hin - da ich das während der schweren degenerativen Hirnerkrankung meines Vaters auch jahrelang getan habe, ahne ich, was (auch) dahinterstehen mag. Ab einem bestimmten Punkt mag man einfach keine großen Worte mehr machen.

    Ach Mensch. Schön, dass Paul in einer Familie lebt, die das mit dem Lachen draufhat, ihn eingeschlossen.

    Liebe Grüße
    Maike

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  12. Wow, wenn ich das so lese, muss ich immer an meine zwei kleinen Geschwister denken (3 & 5) und wie oft lässt man die kleinen kurz aus den Augen um mal schnell was zu erledigen (ob Telefon klingeln, kurz auf die Toilette, etc.) wie schnell sich das Leben ändern kann. Aber das wichtigste ist, dass Paul lebt.

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  13. Hi, Mel!
    Mir stand Pipi in den Augen, als ich Deine Geschichte von Paul gelesen habe. Obwohl wir keine Kinder haben, denke ich, für eine Mutter und einen Vater sowie Geschwister ist es das Schlimmste, um das Leben eines Kindes bangen zu müssen. Aber Paul lebt ja, ist fröhlich und gibt Euch als Familie viel zurück von dem, was Ihr ihm gebt. Wir wünschen Euch alles Gute und Liebe für die Zukunft und dass Ihr als Familie immer zusammenhaltet.
    Ganz liebe Grüsse
    Sue Hain

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  14. Ich bin hier auf deine Seite gelandet und ich bin beeindruckt.... erst von deinen Basteleien und nun von Dir und deiner Familie und von eurer Stärke.... macht weiter so und lasst Euch nicht unterkriegen!
    Liebe Grüße Manu

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  15. Ich bewundere deinen Mut und die ehrliche, frische Art mit der du das Leben siehst!

    Auf das was in der Presse steht, kann man eh nichts geben, daher lese ich auch nur selten Zeitung!

    Mach weiter so! Es ist toll und wo du die ganze Kraft hernimmst auch noch immer so wunderschöne Dinge zu gestalten, bleibt mir rästelhaft!

    Auf Instagram folge ich dir schon ganz lange und bewundere deine Arbeit - auch ohne deine Geschichte zu kennen!
    Aber nun bin ich völlig beeindruckt!

    Eine dicke Umarmung

    Steffi

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  16. Hallo Mel,

    danke, dass du uns die Geschichte erzählt hast und uns wieder mal klarmachst, was wirklich wichtig ist !!
    Liebe Grüße

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  17. Liebe Mel,

    Gänsehaut hatte ich die ganze Zeit, während dem Lesen dieses Beitrags. So wahr...abgestempelt ist man so schnell...sich selbst ein Bild zu machen ist den Menschen viel zu mühsam, da nimmt man gern das erste Schundblatt als bare Münze...und man erkennt schnell, wer seine wahren Freunde sind und auf wen man sich verlassen kann...

    Was mich auch sehr berührt hat war diese Aussage:

    Das Leben geht weiter -
    und ich kann selbst entscheiden
    ob es schön ist oder nicht.

    So wahr! Das sollte man sich jeden Tag vor Augen führen. Das werd ich mir gleich daheim und im Büro aufhängen.

    Fühl dich gedrückt und alles Gute für dich und deine tolle Familie! :) <3

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  18. huhu Mel...irgendwie war mir danach heute hier nochmals zu lesen....hatte das schonmal getan als ich vor einer gefühlten ewigkeit deinem blog zu folgen begann...jetzt ist mir dann auch nach einem Kommentar hier...u.a. auch nach dem Gespräch von gestern: Hut ab und ein dickes Herz!

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  19. Liebe Mel,

    ich drücke Euch von Herzen die Daumen und wünsche ganz viel Kraft für Eure Zukunft zu fünft.

    Katja

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Schön, daß Du da bist!